Nach umfassender Sanierung ist die Stadtbücherei ins Rathaus zurückgekehrt. Im Gespräch erläutert Erster Beigeordneter Holger Heuser, warum sie heute ein moderner „dritter Ort“ für Bildung, Kultur und Begegnung ist.
Heller, offener und vielseitiger: Nach 14 Monaten Bauzeit und einer Zwischenstation in der Arboretum Passage ist die Stadtbücherei ins Rathaus zurückgekehrt. Die modernisierten Räume verbinden Bibliothek, Lernort und Treffpunkt – ein neuer Lern- und Wohlfühlort mitten in Bad Honnef.
Herr Heuser, die Stadtbücherei wurde nach ihrer Sanierung Anfang Mai wiedereröffnet. Was war für Sie das Besondere an diesem Moment?
Holger Heuser: Die Wiedereröffnung am 8. Mai war ein starkes Signal für Bildung und Kultur in unserer Stadt. Rund 70 Gäste haben diesen Neustart mit uns gefeiert. Seit Februar 2025 wurde der Bereich im laufenden Rathausbetrieb grundlegend überarbeitet. Entstanden ist nicht einfach ein modernisierter Raum, sondern ein Ort, an dem Menschen gerne verweilen. Die Bücherei bleibt ein Ort der Bücher und Medien und wird zugleich stärker als bisher Raum für Begegnung, Austausch und gemeinsames Erleben.
Sie sprechen von der Bücherei als einem „dritten Ort“. Was bedeutet dieser Begriff?
Holger Heuser: Der erste Ort ist das Zuhause, der zweite Ort sind Schule, Ausbildung oder Arbeitsplatz. Ein dritter Ort ist ein frei zugänglicher Raum dazwischen: ohne Konsumzwang, mit einer hohen Aufenthaltsqualität und offen für ganz unterschiedliche Menschen. Genau diese Funktion kann eine moderne Stadtbücherei erfüllen. Sie bietet Orientierung und Wissen, ermöglicht zufällige Begegnungen und lädt dazu ein, am gesellschaftlichen und kulturellen Leben teilzunehmen. Gerade in einer Zeit, in der vieles digitaler und individueller wird, wächst die Bedeutung solcher realen, gemeinsamen Orte.

Welche Rolle spielt die Stadtbücherei für Kinder und Familien?
Holger Heuser: Eine sehr wichtige. Bildung beginnt lange vor dem ersten Schultag. Vorlesen, Bilderbücher, Sprache und die Freude am Entdecken sind wesentliche Bausteine frühkindlicher Entwicklung. Die Stadtbücherei unterstützt Eltern und Familien dabei niedrigschwellig und alltagsnah. Kinder erleben hier, dass Geschichten Spaß machen und dass Lernen nicht nur Pflicht ist, sondern Neugier wecken kann. In Zusammenarbeit mit Kindertageseinrichtungen, Schulen und weiteren Partnern kann die Bücherei zudem einen wichtigen Beitrag zur Leseförderung und zur Chancengerechtigkeit leisten.

Und was bietet die Bücherei Jugendlichen und Erwachsenen?
Holger Heuser: Für Jugendliche ist sie Lernort, Medienwelt und Treffpunkt zugleich. Erwachsene finden Literatur, Sachinformationen, digitale Angebote und einen ruhigen Platz zum Lesen oder Arbeiten. Darüber hinaus kann die Bücherei Menschen dabei unterstützen, sich in einer immer komplexeren Informationswelt zurechtzufinden. Medienkompetenz, der kritische Umgang mit Quellen und der Zugang zu verlässlichen Informationen sind heute zentrale Bildungsaufgaben – in jedem Lebensalter.
Sie sind in der Stadtverwaltung auch für das Thema demografischer Wandel verantwortlich. Wie passt die neue Bücherei dazu?
Holger Heuser: Der demografische Wandel betrifft nicht nur Altersstrukturen. Er stellt uns auch vor die Frage, wie das Zusammenleben der Generationen künftig gelingt. Die Stadtbücherei kann hierfür eine Brücke bauen: Kinder entdecken prägende Geschichten, Jugendliche finden Raum zum Lernen und Ausprobieren, Erwachsene bilden sich weiter oder nehmen sich eine Auszeit, und ältere Menschen erleben Austausch und Teilhabe. Als Teil des Rathauses liegt die Bücherei mitten im Leben unserer Stadt und ist für viele Menschen leicht erreichbar. Diese Begegnung der Generationen stärkt den gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Was ist in der neu gestalteten Bücherei konkret anders?
Holger Heuser: Obwohl die Grundfläche unverändert geblieben ist, wirkt die Bücherei durch das neue Raumkonzept heller, offener und vielseitiger. Die Empore, neue Regale, moderne Aufenthaltsbereiche und eine kleine Teeküche schaffen zusätzliche Möglichkeiten. Hinzu kommen eine Saatgutbibliothek, ein Bücherautomat für die Rückgabe rund um die Uhr und eine Gaming-Zone im Jugendbereich. Die flexible Gestaltung bietet außerdem Raum für Lesungen, Workshops, Vorträge, Ausstellungen und Gesprächsrunden.
Verliert das klassische Buch bei all diesen neuen Funktionen an Bedeutung?
Holger Heuser: Nein, im Gegenteil. Gerade in einer immer digitaleren und schnelllebigeren Welt steht das Buch für etwas Haptisches und Beständiges. Sein Geruch kann Erinnerungen an die Kindheit, an besondere Momente oder an Menschen wecken, mit denen wir das Lesen verbinden. Bücher schaffen Ruhe, Nähe und Vertrautheit. Zugleich erschöpft sich eine zeitgemäße Bibliothek nicht in der Ausleihe: Sie verbindet gedruckte und digitale Medien, individuelles Lesen und gemeinschaftliches Erleben. Gerade diese Verbindung macht ihren besonderen Wert aus.
Was wünschen Sie sich für die Zeit nach der Wiedereröffnung?
Holger Heuser: Ich wünsche mir, dass die Bürgerinnen und Bürger die Stadtbücherei als ihren Ort annehmen: als offenen Raum, an dem man willkommen ist und gerne verweilt. Eine Bücherei lebt von den Menschen, die sie nutzen. Das Engagement bei der Rückkehr ins Rathaus war dafür ein schönes Zeichen: Ehrenamtliche Helferinnen haben unterstützt, rund 15.000 Medien wieder einzusortieren. Mein Dank gilt ebenso der Büchereileiterin Stephanie Eichhorn und ihrem Team, die mit großer Begeisterung für diesen Ort arbeiten. Meine Einladung lautet: Kommen Sie vorbei, entdecken Sie die neue Bücherei und füllen Sie sie mit Leben.
Ein Haus, viele Möglichkeiten
Mit der neugestalteten Stadtbücherei erhält Bad Honnef einen Bildungs- und Kulturort, der Bewährtes mit neuen Möglichkeiten verbindet. Auch technisch wurde in die Zukunft investiert: Schadstoffe wurden entfernt, Elektrik und IT erneuert, eine moderne Lüftungsanlage installiert und die Klimatisierung vorbereitet. Energetisch optimierte Fensterflächen verbessern zusätzlich die Substanz. Das Land Nordrhein-Westfalen unterstützte die neue Einrichtung mit nahezu 100.000 Euro. So wird die Bücherei zu einem zukunftsfähigen Treffpunkt für die ganze Stadtgesellschaft.
