Bad Honnef – Berck-sur-Mer

Eine Brücke von 50 Jahren

Jubiläumsfest der Städtepartnerschaft

Von Norbert Walkembach

Wir haben uns an sie gewöhnt und nutzen sie als Selbstverständlichkeit. Brücken überwinden Täler, Gräben, Gewässer, Hindernisse und optimieren unser Hin und Her. Doch wir merken zunehmend, dass sie ihrem Auftrag nur noch bedingt gerecht werden, denn Beton und Stahl werden mürbe…

Wie aber steht es um Brücken ideeller Art? Für die Brücke zu unserem Nachbarland Frankreich gab es zwei überragende Architekten: Charles De Gaulle und Konrad Adenauer. Freigegeben für die Nutzung am 22. Januar 1963 sollte diese Brücke Verstörendes beseitigen, Gemeinsames entfalten und dabei vor allem Menschen zusammenführen. Eine Form der konkreten Umsetzung war die Gründung einer Städtepartnerschaft, in Bad Honnef 1976 die Verknüpfung mit Berck-sur-Mer, einer französischen Gemeinde an der Opalküste im Pas-de-Calais.

In diesem Jahr besteht diese Städtepartnerschaft seit einem halben Jahrhundert – ein Anlass zu feiern und Bilanz zu ziehen. Dies geschah am Wochenende 1. – 3. Mai in Bad Honnef. Eine Fotoausstellung im Foyer des Rathauses markierte Höhepunkte der Begegnungen offizieller, aber vor allem zwischenmenschlicher Art. Man hatte sich kennen, schätzen, ja sogar lieben gelernt. Menschen aller gesellschaftlichen Schichten und Altersstufen, mit und ohne fremdsprachliche Kenntnisse hatten den Weg über die Brücke eingeschlagen. Besonders spannend für Jugendliche, die im Rahmen des Schulaustauschs die Brückenseite wechselten und sich in das Familien- und Schulleben des Nachbarlandes einfinden durften. Annähernd 3000 waren es seit 1976, die als Schülerinnen oder Schüler des Städtischen Siebengebirgsgymnasiums, des Collège Jean Moulin oder des Lycée Jan Lavezzari am Schulaustausch teilnahmen. Ein Video im Rathausfoyer mit Bildern strahlender Gesichter dieser Zeit deutete an, dass Horizonterweiterung fordernd, aber vor allem freudvoll war.

Musikalische Prägung erhielt das Maiwochenende durch die Clax Concert Band der Bad Honnefer Musikschule und den Club Musical Berckois. Beide Orchester bewältigten den Brückenschlag auf beeindruckende Weise. Dies nach einer kurzen Probe beim gemeinsam gestalteten Konzert in Sankt Johann Baptist und beim Festakt im Kursaal zum Abschluss der Feierlichkeiten. Der musikalische Einklang spiegelte die Vielzahl und die Intensität der Einzelbegegnungen wider. Nach herzlichen Umarmungen schickten schließlich singende Claxmusiker den Bercker Bus auf die Heimreise. Ähnlich herzlich verlief das Zusammentreffen einer kleinen Gruppe von Radlern beider Städte. Der Blick geht schon voraus in den September zum Wiedersehen beim Jubiläumsfest in Berck.

Eine stabile Brücke also? Ja, im Blick auf das gerade Erlebte und die daran Beteiligten. Aber genügt uns das? Außenpolitiker Norbert Röttgen bezeichnete als Festaktredner die deutsch-französische Achse als Kern seiner außenpolitischen DNA und zitierte kurz darauf eine ehemalige Sibi-Schülerin mit Austauscherlebnissen. Für ihn ebenso wie für Philipp Herzog, unseren Bürgermeister, ist es die Jugend, die der deutsch-französischen Brücke Halt geben muss. In den sozialen Medien nagen Populismus und Extremismus am Fundament, wobei jungen Menschen Erfahrung und Kenntnis fehlen, um sich der Bedeutung dieses Fundaments bewusst zu sein.

Schulaustausch als Lösung? Ja, aber es gibt Schlaglöcher in der Brücke. Beide Sprachen gelten als schwierig und werden nicht oder abgewählt. LehrerInnen klagen über die mangelnde Bereitschaft der SchülerInnen sich ausdauernd einer als zäh empfundenen Thematik zu widmen. Dazu kommt die abnehmende Bedeutung des Fremdsprachenlernens. KI übersetzt in Sekundenschnelle, ermöglicht Kommunikation in Text, Bild und Ton.

Aber da fehlt was, und das schafft Schulaustausch ebenso wie ein Jubiläumsfest: Menschen finden einander in ihren Ähnlichkeiten und Unterschieden, in ihren Schwächen und Stärken, in Emotionen, die in die Tiefe gehen und die Schlaglöcher reparieren können. Diese Gefühle zu wecken, sie sich entfalten zu lassen, dafür steht das Engagement der beiden Partnerschaftsvereine – die Bürgerschaft von jung bis alt im Blick.

Nach schwierigen Jahren in der Corona-Zeit hat der Sibi-Schulaustausch neuen Rückenwind. Betreuung und Umsetzung sind in Berck zum Lycée Jan Lavezzari gewechselt. Ein Projekt nun für 15-17Jährige, betreut von einem Geschichtslehrer mit eingeschränkten Deutschkenntnissen. Schlimm? Nein! Mangelnde Sprachkenntnisse nehmen auch den SchülerInnen nicht den Wert der Begegnung. Eine Sibi-Schülerin beim Festakt im Kursaal nach dem Besuch der Partnerstadt im März: Wir haben dann eben auf Englisch kommuniziert….

So bleibt ganz allgemein der Wunsch nach einer glatt und sauber asphaltierten Brücke, die nicht nur Radsportler jubilieren lässt, sondern die das Leben bereichert und die wir in beiden Städten liebend gerne pflegen, um dabei auch Norbert Röttgen zu helfen, seine DNA stabil zu halten.