Jahresbericht 2025/26

Jahresbericht 2025/26 des Fachbeirats „Menschen im Alter“ der Stadt Bad Honnef

 

1. Einleitung und Aufgabenstellung

Der Fachbeirat „Menschen im Alter“ der Stadt Bad Honnef dient als beratendes Gremium für Verwaltung, Politik und Öffentlichkeit in allen Fragen, die das Leben älterer Menschen in unserer Stadt betreffen. Ziel unserer Arbeit ist es, mit fachlicher Kompetenz und unter Einbeziehung der Perspektiven älterer Bürgerinnen und Bürger gezielt Maßnahmen zu entwickeln, die die Lebensqualität im Alter verbessern und die Teilhabe fördern.

Der Fachbeirat besteht aus 10 stimmberechtigten Mitgliedern sowie lediglich beratenden Vertretern und Vertreterinnen der im Stadtrat vertretenen Fraktionen. Der Beirat bündelt so durch seine Mitglieder Wissen aus Pflege, Sozialarbeit, Gesundheitswesen, Ehrenamt, Politik und Verwaltung, um eine seniorengerechte Stadtgestaltung aktiv mitzugestalten. In der ersten Sitzung wurde Prof. Dr. Claudia Solzbacher zur Vorsitzenden des Beirates gewählt. Sie ist satzungsgemäß als Vorsitzende auch ständiges Mitglied im Sozialausschuss als zuständigem Ausschuss. Alle stimmberechtigten Mitglieder arbeiten ehrenamtlich im Beirat mit.

Laut Satzung vom 10.10.2024 dient der Fachbeirat als Bindeglied zwischen älteren Menschen der Stadt und den politischen und administrativen Gremien der Kommune. Der Fachbeirat setzt sich für die Anliegen und Interessen von Senioren und Seniorinnen ein und wirkt beratend mit bei allen die Interessen, gesellschaftspolitischen Belange und Bedürfnisse älterer Menschen betreffenden Angelegenheiten. Zu den Zielen des Fachbeirates gehört es, sowohl die Bereiche Einsamkeit, Wohnformen und kommunale Infrastruktur im Blick zu behalten, als auch Generationengerechtigkeit und generationenübergreifende Maßnahmen.

Der Fachbeirat trat zum ersten Mal am 12.5.2025 zusammen. Laut §4 Absatz 4 der Satzung des Fachbeirates „Menschen im Alter“ soll die Vorsitzende im Jahresturnus dem zuständigen Fachausschuss über die Arbeit des Fachbeirates „Menschen im Alter“ berichten, was hiermit geschieht.

Im ersten Berichtsjahr 2025/26 trat der Fachbeirat zu 8 Sitzungen zusammen. Dabei wurden schwerpunktmäßig Empfehlungen zu konkret angefragten Themen an die Stadtverwaltung ausgesprochen sowie Grundlagen für zukünftige Projekte gelegt. Die Sitzungstermine waren bisher am: 12.5.2025, 26.5.2025, 7.7.2025, 8.9.2025, 18.11.2025 sowie am 12.1.2026, 23.3.2026 und am 11.5.2026. Alle Sitzungen waren öffentlich und fanden im Rathaus der Stadt statt.

2. Themenschwerpunkte

2.1. Bestandsaufnahme und Bedarfsanalyse für eine seniorengerechte Stadt

Zum einen befasst sich der Fachbeirat systematisch mit der Frage: Was ist eine seniorengerechte Stadt? Das Ziel ist es, zu sichten welche Initiativen, Projekte und Angebote für ältere Menschen in Bad Honnef bereits bestehen und welche Lücken noch geschlossen werden müssen, um die Stadt weiter zu einer seniorengerechten Kommune zu entwickeln.

Dazu wurden erste Bestandsaufnahmen vorgenommen zu den Fragen: Hat Bad Honnef alle gesetzlich vorgeschriebenen Maßnahmen im Rahmen von Seniorenarbeit umgesetzt und wo wären die Maßnahmen noch sinnvoll ausbaufähig?

Demographische Entwicklung in Bad Honnef

–    In unserer Stadt lebten 2021, 6662 Menschen über 65 Jahre, das entsprach rund 25,6% der Gesamtbevölkerung von Bad Honnef.

–    Prognosen des Rhein-Sieg-Kreises gehen davon aus, dass dieser Anteil bis 2030 auf 29,9% (7882) ansteigen wird und bis 2040 auf 32,3% (8663) – also von einem Viertel der Bevölkerung auf ein Drittel der Bevölkerung.

–    Legt man Durchschnittszahlen in der Bundesrepublik Deutschland zu Grunde, dann lebt etwa ein Drittel der über 75-jährigen allein – einige davon mit eingeschränkter Mobilität und ohne große familiäre Unterstützung. Der Anteil steigt mit zunehmendem Alter.

–    Der Anteil der pflegebedürftigen Menschen über 65 lag in Bad Honnef 2021 bei 1458 Personen und bis 2040 prognostiziert bei 1874.

Was bietet die Stadt bisher für Senioren und Seniorinnen an:

Die Stadt kommt grundsätzlich ihren gesetzlich verpflichtenden Aufgaben nach, indem sie eine Pflegeberatung für Senioren anbietet. Dabei handelt es sich um eine 1/3 Stelle, die vom Rhein-Sieg-Kreis(!) finanziert wird. Die Stadt hat diesen Teil um wenige Stunden aufgestockt für den Teil einer allgemeinen “Seniorenberatung“. Diese Stelle ist angesiedelt im Fachdienst Soziales, Integration und Ehrenamt.

Zudem unterstützt die Stadt folgende freiwillige Aufgaben von Kommunen

–    2 Seniorentreffs (im Kurhaus und in Aegidienberg) – fast kostenneutral (Geld für Verpflegung), da maßgeblich durch Ehrenamtliche gemanagt

–    Fachbeirat „Menschen im Alter“ – bisher kostenneutral

–    Initiative „gemeinsam statt einsam“ (zahlreiche Angebote, auf freiwilliger Basis, durch Ehrenamtler) – fast kostenneutral

Darüber hinaus gibt es Angebote ambulanter Pflegedienste, gemeinnütziger Organisationen oder Kirchen, die alle aktiv von den älteren Menschen oder ihren Angehörigen nachgefragt werden müssen. Sämtliche Angebote sind nicht präventiver Art.

Es gibt jedoch einen großen Bedarf an präventiver Hilfe und Unterstützung z.B. durch präventive Hausbesuche. Das bestätigt auch das durch die Stadt anderweitig angeforderte Gutachten “Dritte Orte und Begegnungsstätten” in Bad Honnef (von Prof. Dr. Eva-Maria Euchner).

Im Rahmen der systematischen Arbeit des Beirats an einem Konzept einer möglichst seniorengerechten Stadt ist es gelungen, die bundesweit anerkannte Expertin der Körber-Stiftung, Karin Haist, aus Hamburg, für einen online-Vortrag im Fachbeirat zu gewinnen. Ihr Auftrag war es, einen Überblick über die bisherigen Erkenntnisse zum Thema ‚Seniorengerechte Stadt‘ zu vermitteln u. a. um dies dann mit der derzeitigen Situation und den Möglichkeiten der Stadt Bad Honnef zu vergleichen. Diesem Vortrag und der anschließenden Diskussion wohnten auch Bürgermeister Phillip Herzog und der erste Beigeordnete Holger Heuser bei. Vortrag und Diskussion waren u.a. angelehnt an die „age friendly cities“ Initiative der WHO.

Erste Ergebnisse unserer systematischen Analyse zeigen, dass es in Bad Honnef bereits eine Vielzahl engagierter Akteure gibt, die jedoch u.a. stärker miteinander vernetzt werden könnten. Der Fachbeirat sieht hier eine wichtige Zukunftsaufgabe in der Koordination und Sichtbarmachung vorhandener Angebote.

Im Hinblick auf die Kooperationen generell nehmen Mitglieder des Beirats immer wieder Teil an städtischen Initiativen, die auch Senioren und Seniorinnen maßgeblich tangieren, so z.B. an Workshops der Stadt ‚Menschliche Gesundheit und Bevölkerungsschutz im Klimawandel‘. Ebenso besuchen sie bundesweit Kongresse bzw. digitale Angebote zum Themenbereich “Älter werdende Gesellschaft”. Besonders das Vertiefungs-Thema „Caring communities“ ist für den Beirat eine interessante  Zukunftsperspektive.

Darüber hinaus haben sich Mitglieder des Fachbeirates in sogenannten „best practice Gemeinden“ über Gelingens- und Misslingensbedingungen zu einzelnen Schwerpunkten  informiert. Ebenso wurden Möglichkeiten externer Finanzierungen eruiert.

2.2. Präventive Hausbesuche

Ein wesentliches Thema im Berichtsjahr war die Anfrage des Sozialausschusses der Stadt Bad Honnef zur Sinnhaftigkeit und möglichen Einführung präventiver Hausbesuche für Seniorinnen und Senioren. Präventive Hausbesuche sind freiwillige, nicht–medizinische Gespräche mit älteren Menschen in ihrer häuslichen Umgebung. Es handelt sich also um eine Art präventiver aufsuchender Sozialarbeit. Ziel ist es, Risiken frühzeitig zu erkennen, individuelle Bedarfe zu erfassen und gegebenenfalls niedrigschwellig auf Unterstützungsangebote hinzuweisen bzw. zu vermitteln.

Nach eingehender Beratung und Analyse für die Bedarfe der Stadt hat der Fachbeirat die Einführung präventiver Hausbesuche ausdrücklich befürwortet. Diese sollen u.a. dazu beitragen, dass ältere Menschen länger in ihrer häuslichen Umgebung bleiben können, indem u.a. frühzeitig Unterstützungsbedarfe erkannt werden und vorhandene Hilfsangebote frühzeitig vermittelt werden.

Der Beirat empfiehlt einstimmig, für die Durchführung und Koordination der Hausbesuche eine qualifizierte Fachkraft einzusetzen, die sowohl die Besuche organisiert und durchführt als auch als Bindeglied zwischen Verwaltung, sozialen Diensten und ehrenamtlichen Akteuren fungiert.

Die Stellungnahme des Beirats ist dem Bürgermeister im Januar 2026 zugegangen. Am 4.2.2026 wurde dem zuständigen Sozialausschuss die Beschlussempfehlung der Verwaltung, präventive Hausbesuche für Senioren und Seniorinnen in der Stadt Bad Honnef auf Basis der Stellungnahme des Fachbeirates „Menschen im Alter“ einzuführen, vorgelegt und dort diskutiert und einstimmig angenommen (mit zwei Enthaltungen). Damit wird die Verwaltung beauftragt, die präventiven Hausbesuche auf Basis der Stellungnahme fachlich auszugestalten und schrittweise umzusetzen. Zur Umsetzung des Angebots wird die Verwaltung beauftragt, eine zusätzliche Vollzeitäquivalent-Stelle in den Stellenplan zum Haushalt 2027 aufzunehmen. Der Vorgang geht nun zur Entscheidung in den Rat der Stadt.

2.3. Flankierende Ehrenamtsinitiativen

Im Zusammenhang mit den präventiven Hausbesuchen regt der Fachbeirat an, diese durch Ehrenamtsinitiativen zu flankieren. Ziel ist es, die soziale Einbindung älterer Menschen zu stärken, Kontakte zu fördern und bürgerschaftliches Engagement im Bereich der Senioren- und Seniorinnenarbeit weiter auszubauen. Mit dieser Initiative sollen zweierlei Gruppen älterer Menschen adressiert werden: die unterstützungsbedürftigen, aber ebenso die “fitten Boommer”, die als Ehrenamtler sinnvolle Aufgaben erfüllen wollen und können.

Der Beirat erarbeitet derzeit ein Konzept, das die Rollenverteilung zwischen professioneller Fachkraft und ehrenamtlicher Unterstützung klar beschreibt. Dabei soll sichergestellt werden, dass hauptamtliche und ehrenamtliche Strukturen sich ergänzen und gemeinsam zu einer nachhaltigen und sozialräumlich verankerten Unterstützung älterer Menschen beitragen.

Felix Trimborn stellte z.B. dazu die Arbeit zum Thema Ehrenamt des FD-Soziales, Integration und Ehrenamt vor.

3. Ausblick auf das Jahr 2026

Für das kommende Berichtsjahr plant der Fachbeirat:

  • Weitere Beratungen des Konzeptes für präventive Hausbesuche einschließlich einer begleitenden Ehrenamtsstruktur,
  • einen Plan zu erarbeiten, mit dem wichtige Anregungen für eine senioren-freundliche Stadt aufgegriffen werden sollen,
  • die systematische Bestandsaufnahme und Vernetzung bestehender Angebote in Bad Honnef zu vertiefen und weiterhin neue Impulse zu setzen.
  • die Öffentlichkeitsarbeit zu stärken, um die Anliegen älterer Menschen sichtbarer zu machen (Vortragsreihe, Flyer u.a.)
  • sowie die Beratung weiterer Initiativen und Anträge der Stadt und der politischen Gremien fortzusetzen.

Ziel bleibt es, durch fachliche Beratung und praxisnahe Empfehlungen dazu beizutragen, dass Bad Honnef weiterhin den Herausforderungen des demografischen Wandels engagiert begegnet.

4. Schlussbemerkung

Der Fachbeirat „Menschen im Alter“ dankt der Stadtverwaltung für die gute Zusammenarbeit und das Vertrauen.

Für den Fachbeirat “Menschen im Alter”

Prof. Dr. Claudia Solzbacher