Kunst u. Kultur, Ratgeber, Wanderempfehlungen

St. Pankratius und das Pleiser Hügelland von Dr. Hartmut Haase

Liebe Leser der Brücke, ich möchte Ihnen heute die ehemalige Probsteikirche in Oberpleis und eine Wanderung durch die Kulturlandschaft rund um Oberpleis ans Herz legen.

Die Geschichte dieser Kirche geht zurück auf die Abtei in Siegburg auf dem Michaelsberg. Dem machtbewussten Erzbischof Anno II war es gelungen, zur Festigung seiner territorialen Vorherrschaft den rheinischen Pfalzgrafen von seiner Burg auf dem Michaelsberg zu vertreiben. Dort errichtet er 1064 seine Lieblingsabtei, die sehr schnell zum Mittelpunkt der monastischen Bewegung der Benediktiner in Deutschland wurde. Die Zahl der Mönche nahm derart zu, dass zahlreiche Töchterklöster von Siegburg aus gegründet wurden. Zunächst entstand ein Kloster in Oberpleis (1105), später ein weiteres auf der Insel Nonnenwerth (1122), diesen beiden folgten weitere. Die Oberpleiser Probstei wurde dem heiligen Pankratius geweiht und zwischen 1100 und 1120 nach dem Vorbild des Mutterklosters auf dem Michaelsberg mit nur etwas kleineren Ausmaßen errichtet. So entstand zunächst eine schlichte Pfeilerbasilika mit einer Krypta und einem Flachdach. Aus dieser Bauphase sind noch die Krypta und der untere Teil des Langhauses erhalten. Danach wurde ein zweiflügliger Kreuzgang angeschlossen, dessen Westflügel noch heute steht. Erst nach der Mitte des 12. Jahrhunderts wurde der wuchtige Westturm mit seinen fünf Geschossen erbaut als Ausdruck der zunehmenden auch weltlichen Macht des Propstes. Etwa 100 Jahre nach der 1. Bauphase wurde das Langhaus eingewölbt, und der Ostchor erhielt sein heutiges Aussehen nach den stilistischen Vorstellungen der Stauferzeit. Im 16. Jahrhundert wurde das baufällig gewordene nördliche Seitenschiff abgerissen und durch einen gotischen Neubau ersetzt.

Zwischen 1968 und 1978 erfolgte eine grundlegende Renovierung, die vor allem auch das Innere der Kirche betraf. Dabei wurde der Boden der Kirche auf sein ursprüngliches Niveau gebracht, sodass der Kirchenraum seine bauliche Harmonie und seine Proportionen zurückerhielt. Hierbei kam im westlichen Mittelschiff ein ganz ungewöhnliches mittelalterliches Kunstwerk zum Vorschein, ein Plattenmosaik, das symbolisch das mittelalterliche Weltbild darstellt. Herausragend ist auch das Marienretabel, das auf dem Altar steht. Es dürfte zum Höhepunkt des Kunstschaffens auf dem Michaelsberg entstanden sein, möglicherweise im Zusammenhang mit den Dreikönigsreliquien im Kölner Dom. Dieses Kunstwerk besteht aus drei Steinplatten. In der Mitte thront Maria mit dem Jesuskind. Links huldigen ihr die Heiligen Drei Könige und auf der rechten Platte drei Erzengel als Vertreter des Himmels.

Nach Beendigung der Besichtigung dieses eindrucksvollen Bauwerks möchte ich Sie zu einer Rundwanderung um den Hartenberg einladen.

Der Weg führt zunächst über den Weilerweg hinab in ein Bachtal und dann aufwärts zum Kapellenweg und dem Hartenbergrundweg. Der Weg wird begleitet von zahlreichen schönen Ausblicken auf den Ölberg. Im Tal erkennt man die mit Folie abgedeckten ausgedehnten Obstplantagen des Sommerfelderhofs, der uns alljährlich mit Erdbeeren versorgt. Wer sich fit genug fühlt, kann auf den Gipfel des Hartenbergs steigen, wo eine Bank zum Verweilen einlädt. Der Weg führt weiter zum Heiligenhäuschen mit Hinweisen auf seine Geschichte. Von hier aus hat man einen eindrucksvollen Blick auf die vielfältige Kulturlandschaft des Pleiser Hügellands. Schließlich führt der Weg weiter bis zu dem kleinen Ort Jüngsfeld. An dieser Stelle kann man rechts abbiegen und parallel zum Pleisbach über den Ort Wahlfeld zur Antoniuskapelle wandern. Diese Kapelle ist ein denkmalgeschützter Fachwerkbau mit einer Figur des Patrons, die außen in eine Nische eingelassen ist. Mit dem Bönnschen Hof gibt es ein weiteres bedeutendes Baudenkmal in diesem Ort. Der Hof besteht aus einer vierflügeligen Fachwerkhofanlage. Er gehörte einst dem Bonner Münsterstift und wurde in einer Urkunde erstmals 859 erwähnt und bezeugt damit die frühe Erschließung dieser Region. Danach geht es geradeaus durch Obstgärten und Baumschulen zurück zum Ausgangspunkt. Hier laden zwei Restaurants in sich gegenüberliegenden alten Fachwerkhäusern zum Verweilen und Stärken ein.

Literatur: Schnell Kunstführer Nr.2679

Rheinischer Verein für Denkmalpflege Heft Siegburg Abtei

Königswinter Stiftung Rhein.

Wanderfibel Nah dran.

Wikipedia Wahlfeld

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