Gesundheit

Morbus Parkinson hat viele Gesichter

von Dr. med. Bernhard Stitz; Internist und Geriater

Dr. Bernhard Stitz ist seit 2010 Chefarzt der Abteilung für Akutgeriatrie am Cura – Krankenhaus Bad Honnef, einer Betriebstätte der GFO – Kliniken Bonn und seit 2014 Chefarzt der Akutgeriatrie an den GFO – Kliniken Troisdorf.

Am 11.04.2022 war wieder Welt -Parkinson-Tag.

Michael J. Fox, Ottfried Fischer oder Markus Maria Profittlich – Morbus Parkinson ist neben Alzheimer die zweithäufigste Nervenerkrankung. Die Parkinsonerkrankung beruht  auf dem zunehmenden Verlust von Nervenzellen in bestimmten Regionen des Gehirns und führt zu einem Mangel des Neurohormons Dopamin. Sie tritt mit fortschreitendem Alter immer häufiger in Erscheinung. Bei 75 – 85-jährigen Menschen liegt bei 254 von 100.000 Personen eine solche Erkrankung vor. Die Sterblichkeit ist gegenüber der Normalbevölkerung nur gering erhöht. Allerdings kommt es mit fortschreitendem Verlauf zu einem zunehmenden Verlust der Selbständigkeit, was letztlich eine Pflegebedürftigkeit zur Folge haben kann.

 

Die Erstbeschreibung der Erkrankung erfolgte schon 1817 in England durch den Arzt James Parkinson. In seiner Abhandlung „An Essay of the Shaking Palsy“

beschrieb er als erster die drei typischen Symptome der „Schüttellähmung“ aus Steifigkeit, Zittern und Unbeweglichkeit. Wir sprechen von der typischen „Symptomtrias“ des Morbus Parkinson.

Die Parkinsonerkrankung schreitet meisten langsam fort. Sie äußert sich anfänglich gewöhnlich mit nur sehr diskreten Symptomen. Ein fehlendes Mitschwingen der Arme, Schlafstörungen oder eine verminderter Geruchssinn werden von Laien und Angehörigen nur selten der Erkrankung zugeordnet.

So kommt ein Patient beispielsweise wegen Frakturen durch einen Sturz zu uns ins Krankenhaus in die Abteilung für Akutgeriatrie. Im Gespräch mit dem Patienten und seinen Angehörigen stellt sich dann heraus, dass dieser bereits öfter gestürzt ist, Schwindel beim Aufstehen hat oder auch das Schlucken nicht mehr so gut funktioniert. Das können erste Hinweise auf eine mögliche Morbus Parkinson-Erkrankung sein, die wir dann weiter verfolgen. Nach der Aufnahmeuntersuchung und einem ausführlichen Gespräch kann beispielsweise ein CT oder MRT in unserem Krankenhaus gemacht werden, ein neurologischer Spezialist kann hinzugezogen werden, und die momentane Medikation wird überprüft. So werden andere Erkrankungen beziehungsweise Wechselwirkungen mit Medikamenten ausgeschlossen. Anschließend kann dann eine medikamentöse Therapie eingeleitet werden, die meistens sehr gut vertragen wird. Die Patienten erfahren dadurch häufig eine deutliche Besserung ihrer Beschwerden. Dies kann dazu beitragen, dass sie nach dem Krankenhausaufenthalt wieder nach Hause entlassen werden oder zumindest zu Hause versorgt werden können und eben nicht in ein Pflegeheim müssen. Die Autonomie, also die Selbständigkeit des Patienten, steht bei unserer Behandlung im Vordergrund. Dafür stimmen wir uns eng mit den Angehörigen ab und beziehen früh unseren Sozialdienst mit ein. Manchmal müssen für zu Hause Hilfsmittel, wie zum Bespiel ein Rollator, Haltegriffe im Bad oder ein Hausnotrufsystem rezeptiert werden. Gegebenenfalls wird in Zusammenarbeit mit den Angehörigen ein Pflegedienst organisiert.

 

In der geriatrischen Abteilung im Cura Krankenhaus sind die Patienten in der Regel über 70 Jahre alt und leiden meist an mehreren Erkrankungen gleichzeitig. Wir nennen dies „geriatrie-typische  Multimorbidität“. Das bedeutet, dass sich akute Erkrankungen zu bereits länger bestehenden chronischen Erkrankungen hinzuaddieren und dadurch besondere Probleme bei der geriatrischen Behandlung im Alter auftreten.

 

Die Diagnose Morbus Parkinson besteht bei den Patienten der Geriatrie oft schon seit Jahren, und der Patient ist bereits medikamentös eingestellt. Wir betrachten unsere Patienten ganzheitlich, überprüfen die Vormedikation und legen für jeden Patienten ganz individuelle Ziele fest. Unser interdisziplinäres Team aus Physio- und Ergotherapeuten, Logopäden und Pflegekräften sowie die psychologische und sozialmedizinische Betreuung sind bei der Behandlung elementar. Ziel ist es, neben der akutstationären Behandlung der zur Aufnahme führenden Erkrankung und deren Komplikationen, durch frührehabilitative Maßnahmen die Mobilität und Selbstständigkeit auch bei einer Parkinsonerkrankung so lange wie möglich aufrecht zu erhalten. Unsere Pflegekräfte unterstützen die Patienten hierbei tatkräftig, indem sie „aktivierend therapeutisch“ pflegen – das heißt, der Patient soll möglichst viel unter Anleitung alleine machen. Hat er es zum Beispiel gestern geschafft, alleine das Gesicht zu waschen, versuchen wir es am nächsten Tag auch mit dem Oberkörper.

 

In den ersten 7-10 Jahren sind die Symptome der Parkinsonerkrankung gut behandelbar, und oft dauert es bis zu 20 Jahren, bis der Patient seine Selbstständigkeit komplett verliert und zum Pflegefall wird.

Morbus Parkinson ist nicht heilbar, und engmaschige medizinische Kontrollen werden im Verlauf der Krankheit immer wichtiger. Der schleichende Prozess ist für den Patienten und die Angehörigen oft sehr belastend, daher empfehlen wir, frühzeitig den Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe aufzunehmen. Die Abteilungen Geriatrie in den GFO Kliniken Bonn und Troisdorf beschäftigen sich mit dem gesamten Spektrum der Altersmedizin. Bei allen Fragen oder Unsicherheiten, welchen medizinischen Hintergrund spezielle Symptome oder Vorfälle haben könnten, können sich Patienten oder deren Angehörige gerne an die Abteilung wenden:

 

Kontaktdaten:

GFO Kliniken Bonn
Cura Krankenhaus

Schülgenstraße 15
53604 Bad Honnef

Tel.: 02224 772-1304
geriatrie(at)cura.org

 

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