Kunst u. Kultur

Der Frankenweg … von Helgi aufm Kampe

Straßen und ihre Namen haben schon viele Heimatforscher interessiert und zu Aufsätzen darüber animiert. Prof. J. J. Brungs (1853-1942), Dr. August Haag (1890-1975), Franz Josef Schneider (1888-1972), Johannes Jansen (1908-1998), Adolf Nekum (1925-2011) und Dr. Karl-Günter Werber (1929-2013) sind da zu nennen. Auch mich hat das Thema gepackt, wobei ich mich keinesfalls in die Reihe der obengenannten Herren einreihen darf oder will.

Die Straße, die heute den Namen Frankenweg trägt, hat es mir besonders angetan, weil es sie zumindest als Weg schon sehr lange geben muss und viel Interessantes damit verbunden ist.

Prof. Brungs¹ und in seiner Folge Dr. Haag² und Dr. Werber³ vermuten, dass der Frankenweg der älteste Verbindungsweg zwischen Rhöndorf und Honnef war. Dafür spricht die Flurbezeichnung „Am Sperrbaum“ im mittleren Teil. Hier konnte also der nördliche Zugang zu Honnef gesperrt werden. Zu Zeiten des Pfarrers Franz Xaver Trips, der Ende des 17. Jahrhunderts in Honnef wirkte, besaß der Weg wohl noch keine offizielle Bezeichnung. Er beschreibt den Weg der Mittwochs Bittprozession vor Christi Himmelfahrt folgendermaßen:

„Man zieht die Rheingasse hinunter, nimmt den Weg den Rheinentlang und zieht durch Rhöndorf zum Kapellchen, wo eine Ansprache gehalten wird. Von hier geht man auf dem oberen Weg durch die Weinberge nach Rommersdorf, …“[Übersetzung aus dem Lateinischen durch Prof. Ernst Nellessen, 1978]4.

Die bekannte „Jesuitenkarte“5 von 1740 unterstreicht die Aussage von Trips „durch die Weinberge“[die bräunlich eingefärbten Gebiete der Karte stellen Weinberge dar].

Wie auf der Jesuitenkarte zu erkennen, ist der Weg fast auf der ganzen Länge unbebaut. Nur in der Nähe Rommersdorfs sind zwei Höfe benannt, der „Wahlingerhof“ und der „Zehnhoff“(roteingekreist), wobei es bei letzterem nicht um den Hof, zu dem die Zehntscheune der Pfarrei gehörte, sondern um einen „Hof zu Waldeck“ handelt, der 1643 in den Besitz der Jesuiten gekommen war und der Zehntscheune gegenüber, also auf dem Gelände der heutigen Häuser Frankenweg 5 und 7 lag. Um eine Verwechslung mit dem Wahlingerhof, der auch als Waldecker Hof der Ehrensteiner Kreuzbrüder oder -herren bekannt war, zu vermeiden, bezeichneten die Jesuiten ihren Hof zu Waldeck als „Zehn(t)hoff“. Dies alles hat Prof. Nellessen erforscht und 1982 unter der Überschrift „Von alten Höfen in Rommersdorf und Bondorf“ im Heft 5 der Reihe „Studien zur Heimatgeschichte der Stadt Bad Honnef am Rhein“, die vom Heimat-und Geschichtsverein Herrschaft Löwenburg e.V. herausgegeben wird, in einem Kapitel des Hefts zusammengefasst. Der Wahlinger Hof befand sich nördlich der Einmündung des Meßbeuels in den Frankenweg, also ungefähr gegenüber der Stelle, wo der Brieberichweg abzweigt.

Im Laufe der Zeit wurde der „obere Weg“ verbreitert und bekam vermutlich 18786 den Namen „Klarastraße“ bzw. „Clarastraße“, wobei die Schreibweise, zumindest in der Honnefer Volkszeitung, munter wechselt. Auch ist keinem der einschlägigen Ortsgeschichtsforscher klar, welche Klara oder Clara damit geehrt werden sollte. Nekum7 nennt die Möglichkeit, dass es sich um Clara Schumann handeln könnte.

Man darf sich aber jetzt nicht mit dem Begriff „Straße“ einen gepflasterten oder geteerten Weg vorstellen, denn bis das soweit war, mussten noch viele Beschwerden und Eingaben an die Stadtverwaltung gerichtet werden. Nachdem die Klarastraße im März 1905 „mit Kies und[Basalt-]Kleinschlag mit der Pferdewalze abgewalzt“ (HVZ vom 30.03.05) wurde, wurde sie erst 1935 auf ganzer Länge mit einer „Teermakadamdecke versehen“ (HVZ vom 05.09.35). Kurz darauf, Ende November wurde ihr Name von den Ratsherren in „Adolf-Hitler-Straße“ geändert8. Dieser Name hielt natürlich nur bis 1945/46. Prof. Brungs hatte schon 19269 dafür plädiert der Straße den Namen Frankenweg zu geben, nach dem Krieg wurde sie dann auf Betreiben von Dr. Haag tatsächlich so benannt. Auf die Gründe komme ich später zu sprechen.

Die Klarastraße beginnt dort, wo die damalige Zeisgasse von der Rommersdorfer Straße abzweigt. Von dieser Gasse, auf der früher die Rommersdorfer zum Rhein gelangten, sind nur noch Bruchstücke östlich und westlich der Straße „Am Feuerschlößchen“ vorhanden. Auf dem ersten Teilstück fanden sich früher keine Bauten. Erst mit der im Jahre 1934 abgerissenen10 Zehntscheune an der Ecke Klarastraße/Hermannstraße (jetzt Schaaffhausenstraße). (s.Kartenausschnitt rechts und Foto unten) finden wir erste Gebäude. Dahinter erstreckte sich östlich das große Gelände der Villa Hölterhoff, die 1838 von Matthias Hölterhoff (1796-1880) erbaut wurde.

„Dort war in den Jahren 1901 und 1902 der französische Lyriker Guillaume Apollinaire (1880-1918) Hauslehrer bei der deutsch-französischen Familie Hölterhoff-de Milhau. Das Gebäude war ab 1908 im Besitz der Familie Merkens, trug später den Namen „Villa St. Georg“ und diente 1967 bis 1970 als Residenz der Philippinischen Botschaft.“(siehe Faltblatt Nr. 3 des Geschichtswegs, Station 7)

Als der Bauboom Ende des 19. Jahrhunderts in Honnef begann, war auch der weitere Verlauf der Klarastraße nach wie vor kaum bebaut, wie der Kartenauszug vom Jahre 1895 zeigt:

Bei den beiden eingetragenen Häusern im mittleren Teil handelt es sich links um die 1893 erbaute Villa des Tuchhändlers Feuser (jetzt Frankenweg 52), die spätestens ab 1902 in den Besitz von Max Riese kam11 und das „Haus Wahling“ (jetzt Frankenweg 23), welches 1872 vom bekannten Kölner Verleger Franz Xaver Bachem erbaut12 und von ihm nach dem dort vorher befindlichen und obenerwähnten Hof benannt worden war.

Im Jahr 1899 wurde im „Stadtverordneten-Collegium“ die Frage der offenen Bebauung der Klarastraße, von Feuser angeregt und empfohlen, lebhaft diskutiert13. Am 08. Dez. 1899 wurde schließlich die offene Bebauung in „der Clarastraße von der Hermannstraße bis zum Zennigsweg“ als Polizei-Verordnung verkündigt14. Zunächst ging es nur um eine Bebauung der östlichen, also der Hangseite. Für den unteren Teil der Klarastraße wurde für die Südseite zwischen der Rhöndorfer Kirche -zwischen 1902 und 1905 erbaut- und der Rhöndorfer Straße eine geschlossene Bebauung beschlossen15. Dieser Beschluss folgte einer Empfehlung des Geheimrats Prof. Henrici aus Aachen, der 1904/5 für die Stadt einen Bebauungsplan entwickelt hatte. Von dem Architekten und Bauunternehmer, der diese Häuser der geschlossenen Bebauung errichtete, las man wenige Jahre später in der HVZ16, dass er wegen Konkursverschleppung und Betrugs angeklagt wurde. Die meisten Anklagepunkte ließen sich nicht beweisen. In einem kleineren Betrugsfall wurde er für schuldig befunden und musste die verhängte dreimonatige Gefängnisstrafe nicht antreten, da sie durch die Untersuchungshaft abgegolten war. In den früheren Weinberghängen der Klarastraße wurden die heute noch stehenden Villen von 1903bis 1912 nach und nach errichtet, darunter auch das Haus Pommer -später Haag- wo bei den Ausschachtungsarbeiten 1911 laut HVZ vom 27.03. ein Skelett mit zertrümmertem Schädel gefunden worden war. Spätere Ausgrabungen an dieser Stelle und in der näheren Umgebung lieferten den Nachweis, dass hier ein fränkisches Reihengräberfeld gefunden wurde. Näheres dazu findet man in dem Faltblatt Nr. 1-„Rhöndorf“ des Geschichtswegs oder auf der Internetseite: https://www.buergerstiftung-badhonnef.de/geschichtsweg-listenansicht/.

Hierauf gründet sich auch der Vorschlag, der Straße den Namen Frankenweg zu geben.

 

Foto stammt aus der Zeit nach 1912; vorne Haus Feuser/Riese, dahinter Haus Dullens und Haus Pommer, am Hang hinten Haus Dr. Boennecken; Eigentum von Peter Profittlich, Rhöndorf

Ein Bauantrag im Jahr 1904 zum Bau eines Hauses auf der Talseite der Klarastraße ungefähr der Villa Feuser/Riese gegenüber war Anlass zu einer ausführlichen Diskussion in der „Stadtverordnetensitzung“ vom 06.05.1904, ob es grundsätzlich bei der einseitigen Bebauung bleiben soll oder nicht. Prof. Henrici, der zu der Zeit den neuen Bebauungsplan für die Stadt erarbeitete, hatte wohl schon angeregt, die Rheinseite der Klarastraße freizulassen und durch Freitreppen mit einer tiefer unten zulegenden Parallelstraße herzustellen17. Die Diskussion endete mit der Entscheidung des damaligen Bürgermeisters Waechter, den Antrag zu vertagen bis eine Stellungnahme durch Henrici eingeholt worden wäre. Das Haus wurde nicht gebaut, aber schon bald beschloss das „Stadtverordneten-Kollegium“ eine westseitige Bebauung im Prinzip zuzugeben, aber jeweils einzelfallmäßig zu entscheiden18. Es gingen dann einige Jahre ins Land bis 1912 als erstes auf der Talseite in diesem Bereich das Haus „Auf Feltenberg“(damals Klarastraße 25, heute Frankenweg 41) entstand19.

Im vorderen Teil der Klarastraße gab es auch Änderungen. Bereits 1902 hatte der Bauunternehmer Johann Gelsdorf zwei Häuser (jetzt Frankenweg 12 und 14) gebaut20, die 1910 in einem Leserbrief der HVZ als Musterbeispiele für „praktische Arbeiterhäuser …, die den Preis von 4000 Mk. nicht überschritten“ gelobt wurden21.

Noch weiter vorne, am Beginn der Klarastraße, musste das alte „Kirchsche“ Fachwerkhaus gegenüber der St. Annakapelle einer Änderung der Straßenzüge weichen. Herr Kommerzienrat Girardet, der1904-06 das neue Feuerschlößchen hatte erbauen lassen, nahm sich dieses Eingangs nach Rommersdorf besonders an22. In Zusammenhang mit seinen beiden Neubauten im Landhausstil (Hausnummern 2 und 4) des Jahres 1912 trieb er den Ausbau der Klarastraße in diesem Bereich voran, so das die HVZ am 23.04.1914 melden konnte:

„Auf Antrag des Herrn Kommerzienrat Girardet wurde der Eingang der Klarastraße von der Rommersdorferstraße aus, zu welchem nach voraufgegangenen längeren Verhandlungen die Terrainfrage bereits erledigt war, straßenmäßig ausgebaut. Dieser Straßenteil gereicht mit den errichteten Neubauten dem dortigen Stadtteile und damit auch der ganzen Stadt zum besonderen Schmuck. Die Kosten der Straßenregulierung hat Herr Kommerzienrat Girardet übernommen.“

Etwa im gleichen Zeitraum fanden auch am zu Rhöndorf gehörenden Teil der Klarastraße größere bauliche Maßnahmen statt. 1909 wurde der Bau des Lehrerheims östlich der Rhöndorfer Kirche (Frankenweg 70) begonnen und 1912 vollendet23. Die HVZ meldet am 19.07.13, dass ein Baugesuch des O. Cornelius, der „(gegenüber dem kürzlich dem Betrieb übergebenen Lehrerheim)“ ein Doppelhaus (Frankenweg 105/107) errichten will, genehmigt wurde.

Ab ungefähr 1919 liest man in Anzeigen und Meldungen der HVZ immer mal wieder als Adresse „obere Klarastraße“. Hier handelt es sich um Wege oder Straßen, die von der Klarastraße in die Hänge oberhalb führen. Gleichzeitig mit der Namensänderung von Klarastraße in Adolf-Hitler-Straße bekamen diese Straßen jetzt eigene Namen. So kamen der Eulenhardtweg und Am Zoperich zu ihren Bezeichnungen, ebenso die Straße „Am Sperrbaum“. Der heutige Brieberichweg, der früher unter der Bezeichnung „Rommersdorferhohle“ oder „Rommersdorfer Hohl“ bekannt war, wurde in Breibergweg umbenannt. Zuletzt sei noch auf ein besonders bemerkenswertes Haus hingewiesen. Es ist das heutige Haus des verstorbenen Künstlers Hansing in der Straße Am Zoperich. Dieses Haus war vorher das Wohnhaus des Bildhauers Prof. Dr. Karl Menser, der den Rhöndorfer Friedhof entworfen hat.

Wohnhaus des Bildhauers Prof. Dr. Karl Menser


Fußnoten: 

1J.J.Brungs, Die Stadt Honnef und ihre Geschichte, Honnef 1925,S. 12

2A. Haag,Bilder aus der Vergangenheit von Honnef und Rhöndorf, Köln 1954, S.12

3K.G.Werber, Honnefer Spaziergänge, Bad Honnef 2002, S. 59

4F.X.Trips, Honnef vor 1700, hrsg. u. übersetzt von Prof. Dr. E. Nellessen, Bad Honnef 1978

5Beigabe zu Fußnote 4

6A.Nekum,Geschichte der Straßennamen, HVZ vom 23.10.2001

7s. Fußnote 6

8Bericht der HVZ vom 26.11.1935 von der Ratsherrensitzungam 22.11.35

9HVZ vom 07.06.1926

10HVZ vom 22.09.1934

11HVZ vom 31.07.1902

12siehe Fußnote 3

13HVZ vom 10.03.1899

14HVZ vom 27.12.1899

15HVZ vom 30.03.1905

16HVZ vom 27.09.1909

17HVZ vom 07.05.1904

18HVZ vom 27.03.19051

19Landeskonservator Rheinland, Arbeitsheft 26, Bad Honnef, Stadtentwicklung und Stadtstruktur, Köln 1979, S. 126 und HVZ vom 17.02.1912

20s. Fußnote 19, S. 125 und

21HVZ vom 22.02.1910

22HVZ vom 13.06.1912

23siehe Faltblatt Geschichtsweg, Blatt 1-Rhöndorf-Station 13-Haus Rheinfrieden oder https://www.buergerstiftung-badhonnef.de/geschichtsweg-listenansicht/


Bildnachweis: 

Ausschnitt der Jesuitenkarte von 1740, die Karte liegt als Beigabe dem Heft F.X.Trips, Honnef vor 1700 (sieh Fußnote 4) bei; Historisches Archiv der Stadt Köln, Jesuiten Akten 105

Ausschnitt aus der Karte Stadt Honnef, Hermann Straße Wilhelmstraße Blatt 2 Spiesgasse angefertigt von Heckhausen in den Jahren 1895/96, private Kopie

Zehntscheune von Süden: Heimat-und Geschichtsverein Herrschaft Löwenburg e.V. Ausschnitt aus der Übersichtskarte der Bürgermeisterei Honnef von Nov. 1895, Plan 2 in: siehe Fußnote 19

Foto eines Teils der Klarastraße nach 1912, Eigentum von Peter Profittlich

Foto des Lehrerheims, Eigentum von Peter Profittlich

Foto des Hauses von Prof. Menser von 1913,Eigentum von Peter Profittlich

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