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Bedeutung des Osterreitens für eine Wittichenauer Familie in unserer Patenstadt

OSTERN – welch bedeutender und wichtiger „Termin“ in unserer „Jahresplanung“ – jedes Jahr! Und nicht nur weltweit, sondern speziell auch für unsere Gegend, für unseren Wohnort und – für unsere Familie, im Großen wie im Kleinen.

Wir sind „alte Wittichenauer“, wohnen schon immer hier und sind glücklich. Und somit sind wir mit den verschiedenen Traditionen der Osterzeit einfach vertraut, wenngleich sich in manchen Jahren eintretende Veränderungen, die nicht absehbar sind, vollziehen.

Seit 481 Jahren verkünden die Kreuzreiter ohne Pause die Auferstehung des Herrn, aber 2019 hat Corona nicht nur die Osterzeit „stillgelegt“…!

Ostern – Der Ostersonntag ist für alle der Höhe- punkt und bedeutet nicht nur das Ende der Fas- tenzeit, welche `pünktlich` an Faschingsdiens- tagnacht beginnt und möglichst mit einem oder mehreren persönlichen `Opfern` verbunden ist; Verzicht auf negative Gewohnheiten, Gewichtsreduzierung, uvm. Musik und Tanz sind außen vor. Die Fastenzeit ist eine ruhige Zeit. Nach außen ruhig, aber der Countdown läuft.

Gehrock, Zylinder, weiße Handschuh, Stiefel, Schwanzschleife für das Pferd, Gesangbuch, im Ort Ralbitz: Anmelden von Unterkunft und Futterverpflegung für das Pferd sowie Anmeldung zur Verköstigung des Reiters, oftmalige Absprachen und „Besprechungen“ der Reiter im Stall – an alles muss gedacht werden, alles muss vorbereitet werden, alles ist wichtig. Unsere Männer entwickeln eine besondere Betriebsamkeit.

Schon die Besorgung der Pferde für den Kreuzreiterritt ist ein Kapital für sich: zeitintensiv, ideenreich, das Motto: Eine Hand wäscht die andere – steht. Der große Zusammenhalt in unserer Gegend ist besonders spürbar.

Mein Mann Joachim war 2017 zum 50. Mal Kreuzreiter. Unsere gute Freundschaft mit Benno Schlegel, dem Besitzer des Reiterhofes in Wittichenau, erleichterte das Besorgen eines guten Pferdes, und beide ritten viele Jahre gemeinsam, oft in der Kreuzträgergruppe.

Aber es kam auch gar nicht so selten vor, dass bei „Not am Mann“ die für Achim und Benno vorgesehenen Pferde an Reiter abgegeben wurden, welche Pech mit ihren Pferden hatten; dann war es doch fraglich, wie unsere Männer mit den „Ersatzpferden“ wieder nach Hause kamen. Es ging letztendlich immer gut, beide sind eben erfahrene Pferdeliebhaber.

Die Pferde werden für den Kreuzreiterritt z.T. von weit her ausgeliehen, besonders geputzt, gestriegelt, die Mähne erhält oftmals einfallsreiche Ornamente eingeflochten, das Geschirr duftet nach frischem Leder bzw. sind herrliche Muschelgeschirre umgelegt. In unserer Familie wurde stets am Karfreitag das familieneigene Pferdegeschirr in der Küche geputzt.

Der Anspruch für „unsere Pferde“ war stets ein gebundenes Blumenband aus frischen Blumen, welches am Reitgeschirr befestigt wird. Oh, sie leuchteten, und es kam auch vor, dass es zeitig gefressen wurde. Rückblickend war es zu DDR-Zeiten sogar schwierig und einfallsreich, zu dieser Zeit überhaupt Blumen und Asparagus unter dem Ladentisch zu bekommen. Und da war es wieder: eine Hand! Oftmals habe ich Blumenbänder für mehrere Pferde gebunden, sie waren einfach zu schön.

Wenn man von den 1000 Kleinigkeiten vor und zu Ostern absieht, die sich in Küchen, Ställen, Höfen, Familien abspielen, ist die Osterzeit auch ein Treffen vieler Familien mit ihren Angehörigen, Freunden und Bekannten. Vor allem am Ostersamstag sieht man überall Spaziergänger, und es herrscht allgemein eine lockere Stimmung. Viele Besucher nehmen am Abend des Karfrei-
tags an der Prozession durch die Stadt teil, es sind jedes Jahr viele Hundert Prozessionsteilnehmer.

Nur die Tradition des Färbens der Ostereier hat sich in unserer Familie geändert. Vor ca. 40 Jahren noch, stets nach der Karfreitags-Pro- zession, trafen wir uns bei guten Freunden und färbten bis spät in die Nacht die Ostereier, weil die Kinder sie als Überraschung am Ostersonntag erst im Nest sehen sollten. Heute färben wir sie in allen Farben und Mustern am Samstag – mit den Kindern und Enkeln.

Auch wenn die „aktive Zeit des Osterreitens“ in unserer Familie vorbei ist, aktiv bleibt die Osterzeit allemal. Oft ist es möglich und dann verbringen wir das Osterwochenende gemeinsam – eine große Freude, wenn die 10-köpfige Familie am Tisch sitzt und die Traditionen weiterhin erleben und vielleicht fortführen kann.

Stille, Grabesruhe, Hufe-Trappeln, Gesang der Kinder und Jugendlichen, wenn sie, von den Dörfern kommend, bei uns vorbei ziehen, Pferdetransporte, Kirchenfahnen, Häuserschmuck, Spaziergänger, wichtige Gespräche: wie wird das Wetter, überall Kinder und Kinderwagen, endlich wieder Glockenläuten. Leben in der Osterzeit.

Ostern in Wittichenau – man muss es einfach live erleben: Zur Gänsehaut-Stimmung mischt sich manche Freudenträne, wenn die Kreuzreiter am Ostermorgen in der Wittichenauer Kirche um fünf Uhr das „Triumpf, der Tod ist überwunden“ anstimmen.

Und überhaupt – Wittichenau ist das ganze Jahr ein Besuch wert – nicht nur zu den vielen traditionellen Ereignissen und Erlebnissen – die Türen sind immer offen, kommen Sie herein.

Herzlich willkommen!

Christine Winter

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