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20 Jahre Bürgerstiftung

Vorstandsvorsitzende Annette Stegger im Interview mit Gerd Pflaumer

Gerd Pflaumer: Was ist eine Bürgerstiftung?

Annette Stegger: Bürgerstiftungen sind Stiftungen, die von Bürgerinnen und Bürgern gegründet werden, mit dem Ziel, dem Gemeinwesen einer Stadt oder Region zu dienen. Die Idee stammt aus den Vereinigten Staaten. In Deutschland wurde die erste Bürgerstiftung 1996 gegründet. Bürgerstiftungen sind gemeinnützig und decken immer ein großes Spektrum an gemeinnützigen Zwecken ab, angefangen von Bildung über Soziales, Kunst, Kultur bis hin zu Umweltschutz. Es gibt rund 400 zertifizierte Bürgerstiftungen in Deutschland. Unsere Stiftung wurde gerade eben mit dem Gütesiegel für die nächsten drei Jahre ausgezeichnet.

In Bad Honnef möchten wir nicht nur zum Stiften an-stiften. Wir möchten auch die Bürgerinnen und Bürger dazu motivieren, sich ehrenamtlich in der Bürgerstiftung und den von ihr unterstützten Projekten zu engagieren. Unser Ziel ist es, Kräfte der Innovation zu mobilisieren, die Lebensqualität in unserer Heimat zu verbessern und das Gemeinwesen nachhaltig zu stärken.

Wie kam es in Bad Honnef dazu?

Nachdem in Bonn mit Hilfe der dortigen Sparkasse eine erste Bürgerstiftung in der Region gegründet wurde, nahm man sich das in Bad Honnef zum Vorbild. Der damalige Direktor der Stadtsparkasse Hellmuth Buhr und Bürgermeister Peter Brassel warben für die Idee und fanden auf Anhieb Unterstützer. 26 Gründungsmitglieder finden sich auf der Gründungsurkunde, darunter auch die Stadtsparkasse. Knapp 120.000 Euro kamen als Startkapital damals zusammen. Hellmuth Buhr wurde zum Vorsitzenden des Stiftungsvorstandes gewählt.

Nachdem er in den Ruhestand ging, folgte Dorit Schlüter als Nachfolgerin in seiner Position in der Sparkasse wie auch in der Stiftung. Mit der Fusion der Stadtsparkasse mit der Kreissparkasse änderte sich auch die Struktur in der Bürgerstiftung. Die Kreissparkasse ist einen Schritt zurückgetreten. Sie stellt derzeit den Kassenwart und besetzt eine Position im Stiftungsrat. Der Stiftungsrat dient als Aufsichtsgremium und berät und unterstützt die Stiftungsarbeit. Seit 2020 darf ich als Vorsitzende des Vorstandes die Geschicke der Stiftung mitgestalten, was ich als große Ehre empfinde.

Wie finanziert sich die Stiftung?

Das Herzstück jeder Stiftung ist das Stiftungskapital. Die Zinserträge werden für die gemeinnützigen Projekte ausgegeben. Je höher das Stiftungskapital und je höher die Zinsen, desto mehr Mittel stehen zur Verfügung. Hinzu kommen Spenden. Seit wir als neuer Vorstand agieren, haben rund zweihundert Menschen allein durch Spenden die Projekte der Bürgerstiftung unterstützt.
In den letzten 20 Jahren konnten wir mit rund 500.000 Euro gemeinnützige Projekte in der Stadt unterstützen. Eine wichtige Säule der Bürgerstiftung sind unsere Stif- tungsfonds. Dabei handelt sich um „Unterstiftungen“ unter dem Dach der Bürgerstiftung. Das heißt, einzelne Honnefer Bürgerinnen oder Bürger haben größere Beträge gestiftet und zugleich festgelegt, wozu die Zins- erträge genutzt werden. Das ist vergleichbar mit einer eigenen Stiftung, deren Verwaltung und Geldanlage von der Bürgerstiftung übernommen wird. Wir beraten gerne Menschen, die mit einer solchen Zustiftung langfristig in Bad Honnef Gutes tun wollen.

Haben Sie auch ehrenamtliche Mitarbeiter?

Dieser Punkt ist mir wichtig: Wir haben zahlreiche Zeitstifter, die unsere Arbeit durch ihr ehrenamtliches En- gagement unterstützen. Dazu gehören alle, die sich in unseren Gremien engagieren, und auch diejenigen, die sich in und für unsere Projekte stark machen. Wir verstehen uns als Mitmachstiftung. Unsere ehrenamtlichen Vorlesepaten zum Beispiel begeistern jede Woche die Kinder in den Bad Honnefer Kitas.

Welches sind die Voraussetzungen für eine Förderung?

Weit über hundert Vereine und Organisationen haben in den letzten 20 Jahren eine finanzielle Förderung durch die Bürgerstiftung erhalten. Wichtigste Voraussetzung ist die Gemeinnützigkeit des Vereins. Das Förderprojekt muss klar umrissen und die Gesamtfinanzierung sichergestellt sein. Zum Beispiel die Anschaffung eines hilfreichen Gegenstandes oder die (Mit-)Finanzierung einer Veranstaltung.

Welches sind seit Bestehen der Stiftung die wichtigsten Projekte und Aktionen?

Wir halten alle unsere Projekte für sinnvoll und wichtig für unsere Stadt. Zu den finanziell besonders großen Projekten gehört der Bad Honnefer Geschichtsweg mit den erklärenden Tafeln überall im Stadtgebiet. Dieses Projekt ist in die Jahre gekommen und muss demnächst erneuert werden. Auch ein großes Projekt von uns ist ein Sprachförderprojekt an der OGS an den hiesigen Grundschu- len, das vom Stadtjugendring betreut wird. Kinder mit Problemen, sich auszudrücken und zu kommunizieren, erhalten eine gezielte Förderung durch geschultes Fach- personal- schon das vierte Jahr in Folge. Der Bereich „Bildung, Jugend und Chancen“ umfasst mehr als die Hälfte unserer geförderten Projekte. Auch unsere Konzertreihe „Musikzeit“ als kulturelles Angebot im Sommer hat eine schöne Breitenwirkung.

Welche Projekte stehen künftig an?

Wir haben beschlossen, mehr als bisher Themen wie Umwelt- und Naturschutz zu berücksichtigen und dabei auch den Klimaschutz einzubeziehen. Erst kürzlich kon ten wir die Pflanzung eines Auenwäldchens am Stadtrand mitfinanzieren. Als nächstes ist die Unterstützung der Einrichtung eines Trinkbrunnens als Klimafolgeanpassung in der Innenstadt beschlossen.

 

 

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